Die Fußball-Weltmeisterschaft hat endlich begonnen. Ich bin ein großer Sportfan, aber ich war nicht immer ein Fußballfan. Lange Zeit war Tennis meine Lieblingssportart, und Cricket und Rugby waren in meinem Heimatland Südafrika die wichtigsten Sportarten. Vor etwa zwei Jahren hat mich jedoch das Fußballfieber gepackt, nachdem ich mir Video Highlights von Lionel Messi angesehen hatte. Auch wenn man kein Messi Fan ist, lässt sich nicht leugnen, dass er ein Fußballgenie ist. Seine Ballfertigkeiten sind oft einfach unbegreiflich und atemberaubend.
Was mir am Fußball gefällt, ist nicht nur die Vortrefflichkeit von Spielern wie Messi, sondern auch die ekstatisch körperlichen Reaktionen der Fans auf diese Vortrefflichkeit. Wir schreien, jubeln, springen auf, umarmen uns und weinen manchmal sogar. Als Fans werden wir oft von Freude überwältigt. Wir verlieren die Kontrolle über uns selbst und verhalten uns auf eine Weise, die in vielen anderen Alltagssituationen als lächerlich gilt.
Vielleicht ist dies ein Hauptgrund dafür, dass ein Sport wie Fußball so beliebt ist. Es ermöglicht uns, für eine Weile die Kontrolle abzugeben und in Ekstase zu geraten (wenn unsere Mannschaft gewinnt). Viele Religionen fördern ekstatische Erfahrung und ekstatisches Verhalten, aber nicht alle. Katholizismus zum Beispiel steht seit langem in einem gespannten Verhältnis zu der ekstatischen Dimension religiöser Erfahrung. Allerdings existiert diese Spannung nicht in allen anderen christlichen Konfessionen. Ich bin in einer charismatischen Freikirche in Südafrika aufgewachsen und bin daher an eine ekstatische-charismatische Form des Lobpreises und der Anbetung gewöhnt, die dort üblich ist.
Ich weiß nicht warum, aber ich war selbst nicht zuhause in der charismatischen Dimension. Ich konnte meine Hände beim Lobpreisen oder beim Beten nie über den Kopf heben (und tue mich damit auch heute noch schwer). Etwas unerwartet habe ich in der letzten Zeit begonnen, dieses Unbehagen zu hinterfragen. Wenn ich in der Lage bin, ekstatisch auf die Großartigkeit eines Messis zu reagieren, warum gilt das zum Beispiel Jesus nicht?
Jesus zeichnete sich nicht in einem bestimmten Bereich (z.B. Sport, Kunst oder Handwerk) aus. Vielmehr war er der Mensch par excellence. Pilatus war sich der Bedeutung seiner eigenen Worte nicht bewusst, als er Jesus der Menge mit den Worten „Seht, der Mensch!“ (Joh 19:5) vorstellte. Jesus verkörperte für uns nicht nur Gottes Güte, Liebe und Barmherzigkeit, sondern er zeigte uns auch, was es heißt, nach dem Ebenbild Gottes zu leben. Ist es nicht vielleicht geeignet (zumindest manchmal!), auf diese Vortrefflichkeit unseres Herrn ekstatisch zu reagieren?
Ihr Dylan Belton,
derzeit als Trainee in unserer Pfarrei, auf dem Weg, Pastoralreferent zu werden
