„Der Himmel beginnt dort, wo Menschen einander Würde schenken“ | Geistlicher Impuls | 13.05.2026

„Der Himmel beginnt dort, wo Menschen einander Würde schenken“ | Geistlicher Impuls | 13.05.2026

Impuls zu Christi Himmelfahrt vs. Vatertag/Männertag

Christi Himmelfahrt wirkt auf den ersten Blick wie ein Abschied: Jesus geht. Die Jünger bleiben zurück. Und doch ist dieses Fest kein Ende, sondern ein Anfang. Denn die Engel sagen: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ (Apg 1,11). Mit anderen Worten: Schaut nicht nur nach oben, geht los. Lebt. Übernehmt Verantwortung. Bringt Hoffnung in die Welt.

Am selben Tag feiern viele Menschen Vatertag oder Männertag. Oft wird dabei diskutiert, was „eigentlich“ wichtiger sei: der kirchliche Feiertag oder das gesellschaftliche Feiern. Vielleicht müssen wir beides nicht gegeneinander ausspielen. Christi Himmelfahrt hat seinen geistlichen Kern und zugleich haben auch die menschlichen Themen dieses Tages ihre Berechtigung: Gemeinschaft, Freundschaft, Verantwortung, Vatersein, Männlichkeit und die Frage, wie wir miteinander leben wollen.

Dabei lohnt ein genauer Blick: Nicht alle Männer sind Väter. Nicht alle, die als Männer wahrgenommen werden, ordnen sich selbst dem Begriff „Mann“ zu. Manche Menschen erleben gerade an solchen Tagen, wie schnell von außen Rollen zugeschrieben werden, die sich innerlich nicht passend anfühlen. Christlicher Glaube erinnert daran: Jeder Mensch ist zuerst von Gott angesehen und geliebt, nicht aufgrund einer Rolle, Leistung oder gesellschaftlichen Erwartung.

Auch in der sozialen und pastoralen Arbeit begegnen uns Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten: Männer, die Verantwortung tragen und zugleich erschöpft sind. Väter, die um Beziehung ringen. Jugendliche auf der Suche nach Orientierung. Menschen, die sich nach Zugehörigkeit sehnen oder Angst haben, nicht zu genügen. Oft zeigt sich gerade dort etwas vom Evangelium, wo jemand zuhört, mitgeht und Würde zuspricht, ohne vorschnell zu bewerten. Und manchmal zeigt sich gerade in einem ehrlichen Gespräch, in einem offenen Zuhören oder in einem einfachen Dasein etwas von Gottes Nähe.

Ich erlebe oft: Menschen brauchen weniger schnelle Antworten als jemanden, der sie ernst nimmt. Jemanden, der nicht sofort einordnet oder bewertet. Vielleicht beginnt Seelsorge genau dort, wo wir einander mit Würde begegnen und Raum geben, echt zu sein.

Viele Männer stehen heute zwischen widersprüchlichen Ansprüchen: stark sein, aber sensibel; erfolgreich sein, aber präsent; unabhängig sein, aber verbindlich. Und viele andere Menschen fragen sich ebenso, wo ihr Platz ist und wie sie authentisch leben können. Vielleicht braucht unsere Zeit deshalb weniger starre Bilder davon, wie jemand „sein sollte“, sondern mehr Menschen mit weitem Herzen.

Die Himmelfahrt Jesu zeigt: Gott entzieht sich nicht der Welt. Er traut den Menschen etwas zu. Jesus sendet seine Jünger nicht in ein perfektes Leben, sondern in den Alltag, mit allem, was dazugehört: Freude und Unsicherheit, Verantwortung und Suche.

Vielleicht braucht unsere Zeit Menschen, die andere aufrichten, statt sie einzuordnen. Menschen, die zuhören können und die Frieden stiften und die ihren Wert nicht nur aus Leistung oder Rollenbildern beziehen. Menschen mit weitem Himmel im Herzen.

Denn der Himmel beginnt dort, wo Menschen einander Würde schenken.

Frage zum Nachdenken:
Wo kann ich heute dazu beitragen, dass Menschen sich gesehen und angenommen fühlen?

Ein Gebet zum Mitnehmen:

Gott,
du kennst jeden Menschen besser, als wir uns selbst kennen .
Du siehst unsere Stärke und unsere Unsicherheit,
unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Freiheit.

Schenke uns offene Herzen füreinander,
Mut zur Verantwortung
und einen weiten Himmel in unserer Seele.

Lass uns Menschen begleiten,
statt sie festzulegen.
Hilf uns, einander mit Würde und Respekt zu begegnen
und Hoffnung in den Alltag zu tragen.

Amen.

Ihre/Eure Daniela Bock (Soziale Arbeit in der Pastoral)


Titelbild: Daniela Bock

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