Den vergangenen Sommerurlaub verbrachte ich zum Teil in meiner Heimatregion im westlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes zwischen Münster und Osnabrück. Dort hatte vor gut 2000 Jahren der berüchtigte Germanenfürst, Hermann der Cherusker, in der Varusschlacht die römischen Legionen vernichtend geschlagen. In diesen geschichtsträchtigen Wäldern hatte ich mit einem alten Schulfreund eine Tagestour bei sonnigen warmen Temperaturen unternommen.
Bei diesem schönen Ausflug kamen mir folgende Gedanken:
Waldwege sind wie Wege des Lebens. Es gibt Umwege, Abwege, Holzwege und Irrwege. Manchmal muss man umkehren, um auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Verschiedenste Räume mit vielen Eindrücken wechseln sich ab. Helle und lichte Räume folgen auf schattigen Orten im dunklen Dickicht. Manche Wege führen in die Tiefe zu schönen Tälern und Wiesen; andere in finstere Abgründe und Schluchten. Höhenwege führen wieder Berg auf- und es erscheint eine Lichtung mit weiter Perspektive und herrlichem Panoramablick. Dort ist man plötzlich dem Himmel näher. Manche erfahren ein „high-light“,ein Höhenlicht im wahrsten Sinn.
Gott führte oft Menschen auf Berge, um ihnen näher zu kommen, so z.B. Mose auf dem Sinai, der dort oben die göttlichen Gebote empfängt. Später führte Jesus drei Jünger auf den Taborberg in Galliläa und verwandelte sich in eine
Lichterscheinung (seine “Verklärung“).
Eine bekannte Quelle in der Region fließt direkt aus dem Felsen, die sogen.“Teufelsquelle“. Ein dunkler, bewaldeter Pfad in die Schlucht führt zu diesem magischen Ort. Viele Menschen aus der Region kommen hierher, um das köstliche, frische Wasser zu trinken, oder in eigenen Kanistern zu schöpfen. Der bedrohliche Name weckt falsche Assoziationen. Dieses Wasser ist kein Teufelsbräu, sondern eher himmlisches Wasser. Jesus spricht im Johannesevangelium öfter vom „Wasser des Lebens“, das in den Herzen seiner Jünger zur fließenden, sprudelnden Quelle wird.
Solche Waldwege in ihren verschiedenen Varianten und Färbungen können Momente und Etappen unseres Lebens widerspiegeln. So spielt die Schöpfung ihre eigene Musik. Du kannst sie hören, wenn du richtig hin-hörst. Am Ende dürfen wir auf Lichtung hoffen, auf weiten Himmel über der Erde.
Pfr. Bernhard Gewers
Titelbild: Christian Schmitt
In: Pfarrbriefservice.de
