In Berlin ist Wahlkampfzeit. Dementsprechend hat sich das Straßenbild hier in Köpenick verändert: Politische Plakate säumen die Straßen, auf denen jeweils ein Slogan zu lesen ist, der das Wesentliche der politischen Agenda der jeweiligen Partei auf den Punkt bringen soll. Wie offenbar überall auf der Welt durchlebt auch Deutschland eine Zeit politischer und kultureller Spaltung, die die politische Rhetorik verschärft und sowohl Parteien als auch Wähler in immer größere Extreme treibt.
Vielleicht aufgrund meiner Erfahrungen aus meinem Leben in den USA, wo die Kluft zwischen den beiden großen politischen Parteien unüberbrückbar geworden ist und die politische Arena in alarmierender Weise grob und dysfunktional geworden ist, muss ich zugeben, dass ich hinsichtlich der Versprechen politischer Parteien und ihres Potenzials, die von ihnen versprochenen Veränderungen tatsächlich herbeizuführen, zunehmend zynisch und pessimistisch geworden bin. Hinzu kommt die extreme und oft lieblose Rhetorik, die den politischen Diskurs prägt, und bei mir lediglich den Wunsch hinterlässt, mich einfach aus allen politischen Angelegenheiten zurückzuziehen.
Dies sind jedoch Versuchungen, denen man widerstehen muss, insbesondere in einem politischen Klima, in dem Zynismus und Pessimismus weit verbreitet sind. Natürlich setzen wir als Katholiken unsere letzte Hoffnung nicht auf politische Parteien, Bewegungen und Wahlen. Wer dies tut, wird unweigerlich enttäuscht. Aber wir sind dazu aufgerufen, uns der ständigen Aufgabe zu widmen, dem Gemeinwohl der „Polis“ zu dienen, in der wir uns befinden. Dies bindet uns letztlich auf die eine oder andere Weise in den „politischen“ Bereich ein.
Da dies weitgehend vom jeweiligen Kontext abhängt, gibt es kein Patentrezept dafür, wie wir genau dem Gemeinwohl dienen sollen. Wie könnte die Umsetzung dieser Aufgabe dann für jeden Einzelnen von uns hier und jetzt in unseren Gemeinschaften aussehen? Wie würde unser eigener „Slogan“ lauten, wenn wir unseren Dienst auf einem politischen Plakat bewerben müssten?
Ihr Dylan Belton,
Pastoralassistent
