Unser Leben – ein Zelt auf dem Weg | Geistlicher Impuls | 01. Juli 2026

Unser Leben – ein Zelt auf dem Weg | Geistlicher Impuls | 01. Juli 2026

Vor wenigen Tagen haben wir das Fest der Apostel Petrus und Paulus gefeiert. Zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Petrus, der zwischen Mut und Zweifel schwankt und dennoch zum Zeuge Jesu wird, und Paulus, der eine tiefgreifende Umkehr seines Lebens erfährt und seinen Weg entschlossen neu ausrichtet. 

Und doch verbindet sie etwas Entscheidendes: Beide haben erfahren, dass Gott auch dort trägt, wo Sicherheiten wegbrechen, und dass er sie auf unbekannten Wegen führt und begleitet, wenn sie ihm vertrauen. 

Gerade Paulus bringt diese Erfahrung des Vertrauens in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth in eindrucksvollen Bildern zum Ausdruck:

„Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.“ (2 Kor 5,1)

Auffällig ist der Ton seiner Aussage: er sagt nicht „vielleicht“ oder „wir hoffen“, sondern „wir wissen“. Es ist eine Gewissheit, die nicht aus menschlicher Sicherheit entsteht, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Treue.   

Das Bild, das Paulus dafür wählt, ist das des Zeltes. Ein Zelt leicht, beweglich und schützend, aber ist es nicht für die Dauer gebaut. Es kann abgebaut werden und ist den Kräften von Wind und Wetter ausgesetzt. Genauso beschreibt Paulus unser Leben als „irdisches Zelt“, kostbar und schützend, aber zugleich vergänglich und auf dem Weg.

Dem stellt er die „Wohnung vom Gott“ gegenüber, ein Bild für Beständigkeit, Geborgenheit und Vollendung, die nicht von uns selbst errichtet wird, sondern Gottes Geschenk ist. 

Zwischen diesen beiden Bildern spannt sich der Raum unseres Lebens: Wir sind nicht endgültig angekommen, aber auch nicht haltlos, sondern getragen von Hoffnung, die über das Vorläufige hinausgeht.

Dieses Vertrauen nimmt uns nicht die Verantwortung für unser Leben, sondern befähigt uns gerade dazu, es bewusst zu gestalten. Die christliche Hoffnung verdrängt die Endlichkeit nicht, sondern schenkt die Freiheit, ihr ins Auge zu sehen. Denn unser Leben gleicht einem Zelt: kostbar, schützend und doch nicht für immer. Die Hoffnung des Glaubens aber weist über dieses Zelt hinaus auf die Wohnung, die Gott für uns bereitet hat.

Mit dieser Hoffnung dürfen auch wir unseren Weg gehen, im Vertrauen, dass Gott uns trägt. 

Ihre Sarah Kraywinkel
Praktikantin der Sozialen Arbeit


Bild: Christian Schmitt
In: Pfarrbriefservice.de

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