Diakon und Märtyrer, 22.01.2026
„Welche Region oder welche Provinz jenseits des Meeres bis zu der sich das Römische Reich oder der christliche Name erstrecken, freut sich nicht, heute die Geburt des Vinzenz zu feiern?“ Wer so überschwänglich über einen der Heiligen dieser Woche (22. Januar) spricht, ist der Heilige Augustinus in seiner Predigt Nr. 276. Wer ist also dieser Heilige, der schon 100 Jahre nach seinem Tod in so hohen Ehren in der Kirche gehalten wurde? Vinzenz wurde in Huesca, in heutigen Spanien zu Füßen der Pyrenäen geboren. Als junger Diakon beauftragt ihn der Heilige Bischof Valerius von Saragossa mit dem Predigtdienst. Zusammen mit ihm erleidet er im Jahre 304 während der Verfolgung des Kaisers Diokletian in Valencia das Martyrium.
Durch die schwere Marter, mit Peitschenhieben, glühendem Eisen u.a., sollte er dazu gebracht werden, dem Namen Christi abzuschwören. Nur ein kleines Wort hätte ihm also viel Leid erspart und das Weiterleben ermöglicht. Auf die Hilfe Gottes vertrauend, konnte sich Vinzenz seinen Peinigern widersetzen und erwiderte ihrem Spott mit beseelten Worten. So nahm ihn, geschmückt mit den Verdiensten des tapferen Kampfes für Christus, der Herr bei sich auf.
Die Märtyrer-Viten können uns heute fremd und weit entfernt vorkommen, gehören doch die Umstände, unter denen sie sich ereignet haben, einer längst vergangenen und überwundenen Zeit an. „Nicht ganz“, wird man mir zurecht mit einem Verweis in andere Regionen der Welt widersprechen können. Und auch der ein oder andere wird aus der eigenen Erfahrung erzählen, dass ihn das Bekenntnis zu Christus, wenn, zugegebenermaßen nicht körperliches Leid, so doch Nachteile im Leben erbracht hat.
Die Märtyrer lehren uns, dass die Haltung, einer großen Anfechtung zu widerstehen, nicht aus dem Nichts kommt, sondern durch viele kleine Entscheidungen im Alltag vorbereitet wird: sich vor einen Schwachen stellen; zurechtweisen, wenn Gott in der Öffentlichkeit gelästert wird; sich dazu bekennen, dass man sonntags in die Kirche geht; am Aschermittwoch auf der Arbeit oder in Schule den „Fleck auf der Stirn“ erklären und nicht abwischen… jeder kann sicher eine dieser Entscheidungen nennen. Handelt man dabei mit Freude, dann kann dadurch Christus in unserer Gesellschaft sichtbar werden.
Aber in dem Moment ist der Sinn, sich den Blicken oder veralbernden Kommentaren der Leute auszusetzen, nicht einleuchtend. Mit einer Vielzahl von Gründen würde man sich in der Situation herauswinden, das Richtige zu tun. Es scheint, als mache man sich das Leben unnötig schwer. Aber auch hier lehren uns die Märtyrer, all das in Gottes Hand zu legen, denn wir können nicht absehen, was Er daraus zu gegebener Zeit wirken kann.
Valencia war zu Beginn des 4. Jahrhunderts noch wenig evangelisiert. Anders als andere Städte in dieser Provinz des Reiches, konnte sie nicht auf einen Apostel oder Apostelschüler als den Ursprung ihrer christlichen Gemeinde verweisen. Das Martyrium des Hl. Vinzenz und die es umgebenden Wunder sind also das erste große Zeugnis, das den Glauben unter Christen und Heiden dort gestärkt und entfacht hat. Über 1700 Jahre später hat die Stadt viele weitere Heilige hervorgebracht und feiert weiterhin den Hl. Vinzenz als Schutzpatron. Dieser hat damals sicher nicht, vorhergesehen, dass die Gluten seines Martyriums den Glauben der Menschen anfachen würden.
Eduard Rauer
Titelbild: anonymous, Public domain, via Wikimedia Commons
