Wir sind mitten in der Karwoche angekommen – eine Woche der Höhen, tiefsten Tiefen und, am Ende auch, höchsten Höhen. Noch am Sonntag erbebte Jerusalem vor Jubelrufen:
Hosanna, dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe! (Mt 21,9)
Denn es erfüllte sich, was der Prophet Zacharias gesagt hatte:
Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig
und er reitet auf einer Eselin
und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. (Mt 21,5)
Die Wenigsten hatten aber verstanden, worin das mit diesen Worten prophezeite Königreich bestand, das Jesus gepredigt hatte. In der Johannespassion, die jedes Jahr am Karfreitag verlesen wird, spricht Pilatus am Ende seines Prozesseses zu den Juden: „seht, euer König“ (Joh 19,14). Diesen Titel lässt er nachher auch über dem Kreuz anbringen (Joh 19,19). An Christus selbst, an Sein Königtum, das nicht von dieser Welt ist, und an Seine Verheißungen wurden falsche Erwartungen gestellt. Und so schlägt das Lob und die Huldigungen von Palmsonntag in Ablehnung um.
Seine Jünger werden erst mit der Zeit die volle Tiefe seiner Worte und Handlungen begreifen. Sie werden begreifen, bis zu welchem Punkt Er, beispielsweise in seinen Gesten am Gründonnerstag, Sein Innerstes zu erkennen gegeben hat. In der Eucharistie hinterlässt uns Jesus ein Gedächtnis Seiner Liebe. In diesem sichtbaren Zeichen gibt Er sich uns hin, damit wir nie vergessen, „was seine Liebe tut“ (GL 282).
Die vor uns liegenden hochheiligen Tage laden dazu ein, uns im Abendmahlssaal mit Jesus und den Zwölf an den Tisch zu legen. Sie rufen uns dazu auf, am Fuße des Kreuzes mit der Gottesmutter auszuharren und nicht den Blick abzuwenden oder davonzulaufen. Denn beim Anblick dieser Szenen, können auch wir die Bedeutung Christi Worte und Handlungen tiefer durchdringen und verstehen, worin sein Königtum, das Reich Gottes, besteht: bis zum Ende zu lieben.
Sein Königtum ist nicht von dieser Welt, Sein Thron steht nicht in einem Prunksaal, sondern auf Golgotha, und Seine Krone ist nicht aus Gold, sondern aus Dornen. Jesus hat den schmachvollen Kreuzestod auf sich genommen, um uns vom ewigen Tod der Sünde zu befreien und ins ewige Leben zu führen. Nicht durch klangvolle Triumphe, sondern durch das Tragen des eigenen Kreuzes und gegenseitiger Liebe folgen wir Ihm dorthin.
Eduard Rauer
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