Wenn ich die Bibel allein und aufmerksam lese, sticht oft ein spezifischer Satz oder eine Passage hervor. Manchmal führt dieser eine Satz dazu, dass ich etwas/einen Zusammenhang neudenken muss. Das geschah, als ich die Bibellesungen für diese Woche durchgegangen bin. Am Montag dieser Woche haben wir das Fest der Darstellung des Herrn gefeiert. Die Bibellesung war Lukas 2:22-40. Da stellen Maria und Josef Jesus gemäß dem damaligen jüdischen Gesetz im Tempel vor.
Die Geschichte ist bekannt, ebenso wie das Zeugnis des gerechten Mannes Simeon. Da ich mit dieser Geschichte vertraut bin, überflog ich den Text, bis die folgende Sätze ins Auge sprangen. Nachdem er Jesus gesehen hatte, rief Simeon aus:
„Denn meine Augen haben das Heil gesehen, dass du [Gott] vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für das Volk Israel“ (Lk 2:30-32).
Was für eine Aussage! Dann kamen mir die Fragen: Haben meine Augen dieses Heil, dieses Licht und diese Herrlichkeit gesehen? Was bedeutet das, dieses Heil in einer Welt zu sehen, die von endlosen Unruhen, von Gier, von Gewalt und Krieg, vom Hass, von Unsicherheit, von sinkenden Kirchenbesucherzahlen und so weiter geprägt ist?
Ich glaube, wir sind versucht, nach Beweisen für dieses Heil in erster Linie im Öffentlichen und Großen zu suchen (z.B. in politischen Ereignissen oder religiösen Erneuerungen). Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass laut unseres christlichen Glaubens das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte (nämlich, die Kreuzigung unseres Herrn) nach menschlichen Maßstäben keineswegs großartig war. Jesus wurde als Verbrecher in einem Land gekreuzigt, das im Kontext des Römischen Reiches keinerlei kulturelle, politische, oder militärische Bedeutung hatte. Nicht einmal die Jünger Jesu konnten einen gekreuzigten Messias verstehen. Sogar sie wollten mehr als das!
Gottes Werk kann für die Welt wie ein Misserfolg aussehen, genauso wie Gottes Weisheit wie Torheit in der Welt erscheinen mag (1 Kor 1:18-21). So schwer es manchmal zu akzeptieren ist, hat Jesus seinen Jüngern weder Komfort noch Erfolg, noch Macht versprochen; jedenfalls nicht, wie die „Welt“ Komfort, Erfolg und Macht versteht. Was uns jedoch versprochen wird, ist eine Kombination aus Stärke, Hoffnung und Frieden, die jegliches Verstehen übersteigt. Durch den Heiligen Geist befähigt, sehen wir, wie Simeon, mit den Augen des Glaubens. Wir sind auch Gottes Licht in der Welt, aber dieses Licht ist immer wie eine kleine, gefährdete Kerze in einer Dunkelheit, die oft überwältigend erscheint. Es könnte sich so anfühlen, als wäre es völlig nutzlos. Aber wie die amerikanische Katholikin Dorothy Day einmal geschrieben hat, verlangt Gott von uns nur, dass wir unsere Brote und Fische (d.h. das Wenige, was wir haben und tun können) zu Jesus bringen. Letztendlich liegt es an Gott, das Wenige, was wir haben und tun können, zu vermehren.
Ihr Dylan Belton,
derzeit als Trainee in unserer Pfarrei, um Pastoralreferent zu werden
