Wenn ich über das heutige Lukas-Evangelium (LK 11,29–32) nachdenke, berührt es mich auf eine Weise, die weit über die Fastenzeit hinausgeht. Es spricht mitten in unsere Zeit hinein, in eine Welt voller Krisen, Spannungen und Unsicherheiten.
Jesus erinnert an Jona und an die Stadt Ninive. Menschen, ließen sich verändern. Nicht, weil alles perfekt gewesen wäre und nicht, weil sie Helden waren, sondern weil sie bereit waren, hinzuhören.
Gerade heute wünsche ich mir auch manchmal deutliche Zeichen, z.B. in klaren Lösungen und sichtbaren Wendepunkten und irgendwie manchmal auch ein sichtbares und machtvolles Eingreifen Gottes. Doch Jesus verweist nicht auf spektakuläre Beweise. Er spricht von Umkehr, von einer inneren Bewegung des Herzens. Hier ist mehr als Jona. Gott selbst kommt uns nahe, nicht laut, nicht überwältigend, sondern einladend.
Die Fastenzeit ist für mich ein solcher Raum des Innehaltens. Kein äußerer Aktionismus, sondern ein ehrliches Hinschauen: Wo bin ich hart geworden? Wo habe ich mich an Negatives gewöhnt? Wo könnte ich neu beginnen?
In der Sozialen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass echte Veränderung selten spektakulär geschieht, sondern leise beginnt. Wenn ein Mensch nach langer Zeit wieder Vertrauen fasst oder, wenn jemand den Mut findet, Verantwortung zu übernehmen. Aber auch, wenn nach vielen Verletzungen Versöhnung möglich wird. Das sind keine Schlagzeilen, aber fast schon heilige Momente.
Pastoral und Soziale Arbeit begegnen sich genau hier und im Glauben daran, dass jeder Mensch Veränderung in sich trägt, dass Umkehr nicht Druck bedeutet, sondern eine Chance sein kann, dass Gott uns nicht beschämt, sondern uns zutraut, neu zu beginnen.
Jona war kein strahlender Held, hatte Angst, wollte fliehen, war innerlich zerrissen und wurde doch zum Zeichen. Das tröstet mich. Auch ich muss kein Held sein und auch wir als Kirche, als Mitarbeitende und als Begleitende müssen nicht perfekt sein. Vielleicht reicht es, bereit zu sein, bereit zu hören und bereit, uns berühren zu lassen.
Die Menschen von Ninive haben sich ändern lassen. Vielleicht ist heute genauso ein Tag, nicht für große Gesten, sondern für einen kleinen Schritt, z.B. ein Wort weniger im Streit, ein geduldigeres Zuhören, eine Geste der Zuwendung und auch ein stilles Gebet für den Frieden.
Die Welt wird nicht durch einen einzigen großen Moment verwandelt, aber sie verändert sich, wenn Menschen im Kleinen beginnen, wenn wir sensibel werden für die leisen Zeichen der Hoffnung im Alltag und wenn wir Hoffnung weitergeben, statt Resignation.
Gott wirkt oft im Verborgenen, nicht im Lauten, sondern im Treuen. Vielleicht beginnt Erneuerung für mich, für die Menschen, die mir anvertraut sind, für ein Stück dieser Welt, genau hier und in meinem Herzen. Heute.
Ihre/Eure Sozialarbeiterin in der Pastoral
Daniela Bock
