Die eigene Vergänglichkeit | Geistlicher Impuls | 19.11.2025

Die eigene Vergänglichkeit | Geistlicher Impuls | 19.11.2025

Das Leben ist ein kostbares Geschenk – und zugleich ein vergängliches. Wir Menschen leben in der Spannung zwischen der Sehnsucht nach Leben und der unvermeidlichen Realität des Todes. In einer Welt, die oft von Konsum und Ablenkung geprägt ist, fällt es uns schwer, uns bewusst mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Doch der Moment, in dem wir die Vergänglichkeit des Lebens erkennen, kann zu einer Quelle tiefster Spiritualität und innerer Erneuerung werden.

Die christliche Tradition lehrt uns, dass der Tod nicht das endgültige Ende ist, sondern vielmehr ein Übergang in das ewige Leben bei Gott. Doch der Weg bis dahin – das Abschiednehmen, das Loslassen – ist für den Menschen oft eine Herausforderung. Im Hospiz, einem Ort der letzten Lebensphase, kommen wir in Kontakt mit dieser Wirklichkeit auf besonders eindrucksvolle Weise.

Das Hospiz ist ein Ort, an dem die Menschen ihre letzte Reise nicht allein gehen müssen. Hier wird der Sterbende nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch seelisch und geistlich begleitet. In der christlichen Perspektive ist das Sterben ein „Heiliger Moment“, der durch Gottes Gnade begleitet wird. Wir sehen darin eine Gelegenheit zur Versöhnung – mit Gott, mit uns selbst und mit denen, die uns nahe sind. Dies ist ein wichtiger Teil des Hospizgedankens: Die Menschen zu unterstützen, mit Würde und in Frieden zu sterben, das Leben zu reflektieren und sich in der Gewissheit zu wiegen, dass der Tod nicht das Ende der Reise, sondern ein Übergang zu einer unendlichen Gemeinschaft mit Gott ist.

Der Gedanke der eigenen Vergänglichkeit führt uns in die tiefste Achtsamkeit für das Leben im Hier und Jetzt. Wenn wir uns bewusst werden, dass wir eines Tages sterben werden, lernen wir, das Leben mehr zu schätzen. 

„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“
(Psalm 8,4)

Diese Frage des Psalms verweist auf die tiefere Frage nach dem Sinn des Lebens, nach unserem Platz im Universum und unserer Beziehung zu Gott. In der Endlichkeit unseres Lebens erfahren wir, dass wir nicht allein sind. Gott, der uns ins Leben gerufen hat, begleitet uns auch im Sterben. Die Begleitung im Hospiz ist ein Zeichen dieser göttlichen Nähe. Hier dürfen die Sterbenden in aller Ruhe loslassen, sich von ihren Schmerzen befreien und in die Gewissheit des ewigen Lebens eintreten.

Ihre Monika Beil,
Sozialarbeiterin der Pfarrei


Titelbild: René Hoch

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